Mittwoch, 21. August 2013

Steinbrück: Ganz auf Schwarz-Gelb gepolt

Von unserem Korrespondenten Rudi Wais, Berlin

Irgendwann muss man sich auch als Korrespondent entscheiden. Ist mir mein Verein wichtiger, in diesem Fall  der FC Augsburg - oder der Kanzlerkandidat? Im April, kurz vor dem Parteitag der Sozialdemokraten, war ich schon einmal mit ihm verabredet. Damals hatte sein Verein, der aus Dortmund, meinen  gerade mit 4:2 geschlagen.  Diesmal gewinnt die Borussia wenige Tage vor unserem zweiten  Gespräch  sogar mit 4:0. Deshalb, lieber Peer Steinbrück: Das nächste Interview führen wir entweder in der Winterpause oder rechtzeitig vor dem Rückspiel. Sonst  steigt der FCA unseretwegen noch ab.

Der Kandidat selbst macht trotz anhaltend schwacher Umfragewerte einen aufgeräumten Eindruck. In Fußballfragen, schmunzelt der Mann, der das Land mit einer rot-grünen Koalition regieren will, sei er ganz auf schwarz-gelb gepolt. Mit uns Medienmenschen hadert Steinbrück zwar noch immer  - vor allem, wenn wir uns so unsere Gedanken über sein kompliziertes Verhältnis zu Parteichef Sigmar Gabriel machen. Am Ende des Gesprächs jedoch, nach knapp einer Stunde,  ist er schon wieder etwas versöhnlicher gestimmt.

Irgendjemand hat Steinbrück  eine Kiste voller Schokolade ins Willy-Brandt-Haus geschickt, die jetzt in seinem Vorzimmer steht.

"Wie viele Kinder haben Sie denn", fragt er. "Drei? Dann nehmen sie für jedes ein Stück mit."

Dabei sind wir Journalisten Steinbrück ähnlich suspekt wie seiner Kontrahentin, der Kanzlerin. Anders als Gerhard Schröder, der sich nur allzu gerne in der Aufmerksamkeit der Medien sonnte, hält er es eher mit seinem Mentor Helmut Schmidt, der Reporter einst als "Wegelagerer" beschimpfte. Im Moment allerdings sind nicht die  Beobachter und  Berichterstatter Steinbrücks Problem - sondern der Genosse Gabriel, der offenbar eine Art persönlichen Nebenwahlkampf gestartet hat. Steuern rauf? Oder doch runter? Verglichen mit dem jüngsten Durcheinander in der SPD ist die von Borussia  Dortmund auseinander genommene Abwehr des  FC Augsburg noch eine geordnete Formation.